Kapitel 2 „Keepers“

Der Anfang des zweiten Kapitels des abgebrochenen Romans

„Ria, hey! Warst es wohl leid, in deiner Hütte zu sitzen, he? Jaja, zwischen all dem Jegritzel, wat du da an die Wand jehangen hast!“

Das war Eoban gewesen. Der eigentlich ziemlich egoistische Schüler in Marijas Alter war sturzbetrunken. Er saß etwas abseits des Feuers auf einem halben Baumstamm neben den anderen Schülern und schwankte sogar im Sitzen. In der Hand hielt er einen rötlichen Tonkrug aus dem eine purpurne Flüssigkeit schwappte. Marija verdrehte die Augen. „Wenn schon, dann heißt es Rija.“, rief sie zurück, „Und ich frage mich, wie du an den Wein kommst!“

„Das würde ich allerdings auch gern wissen.“ Lajos, Eobans Vater, erhob sich mit erbosten Gesicht aus den Sitzreihen der Wächter. Eobans Geschrei war offensichtlich zu laut gewesen. Bei Normallautstärke konnte man hier nämlich kein Wort aus der Schülerreihe verstehen. Lajos stapfte am Feuer vorbei zu seinem Sohn, packte ihm am Arm und zerrte ihn unter den Augen aller Anwesenden in Richtung Wächterviertel. „Du schläfst heute Nacht bei mir, junger Mann! Damit du auch nichts anstellst…“

Eoban protestierte mit zusammenhangslosem Gebrabbel. Seine Hüttengefährtin Catina rief ihm ein „Ich hab’s dir ja gesagt!“ hinterher.

Marija schmunzelte kopfschüttelnd. Ausgerechnet Eoban war einer der wenigen, der seinen Vater kannte, und er wie Lajos schienen nicht besonders glücklich darüber zu sein. Doch statt wieder über Dinge zu grübeln, die Marija sowieso nicht ändern konnte, setzte sie sich auf den frei gewordenen Platz zwischen York und Catina. York seufzte erleichtert. „Endlich ist der weg. Mann, von seiner Fahne wurde man selber fast betrunken.“

„Ich frag mich auch, wie er an den Wein kommt.“, meinte Catina

„Faye hat heute welchen gemacht.“ Marija wollte sich nicht unbedingt anmerken lassen, dass sie ziemlich abgelenkt war. Sie beobachtete Fedor und fragte sich, ob der Wächter mit den langen, braunen Haaren wohl die Schusseligkeit seiner Schülerin beim Training ansprechen würde, während er mit Silvius, seinem Hüttengefährten sprach.

„Vielleicht hat Eoban ja welchen geklaut.“ Die pflichtbewusste Catina hatte eine todernste Miene aufgesetzt.

York erwiderte ihren Blick fragwürdig. „Nee, von Faye kann man nichts klauen, ohne dass sie es mitbekommt. Aber die setzt sich doch sowieso immer für Eoban ein, egal, was er anstellt.“

„Das liegt am Charakter.“

„Oder sie ist seine Mutter.“

„Darüber habt ihr nicht zu diskutieren.“ Marija hatte ihren Blick jetzt auf York gerichtet, der die letzte Vermutung ausgesprochen hatte. „Die Regeln besagen, dass das eine eigene Angelegenheit ist, und kein anderer das Recht hat, sich dabei einzumischen.“

Catina hatte ihren Blick zu Boden gerichtet. „Als ob du nie über deine Eltern nachdenkst, Marija.“, murmelte sie, wahrscheinlich um von sich abzulenken. Was ihr prompt gelang.

„Doch…“ Marija rutschte leicht nervös auf dem feuchten Holz hin und her. „Aber dann ist es ja eine eigene Angelegenheit.“

York wollte gerade etwas erwidern, als Marija aufsprang. „Ich hab Hunger.“ Mit schnellen Schritten lief sie aus der Hörweite der beiden jüngeren Schüler. So viel zum entspannten Abend. Mit etwas Abstand umrundete sie das Feuer und stand schließlich vor Yves, der einen Korb mit frisch gebackenem Brot in der Hand hielt.

„Hunger?“, fragte der Wächter. Marija nickte und bedankte sich ordentlich, als sie von ihm ein Stück in die Hand gedrückt bekam. Gerade wollte sie zurück an ihren Platz laufen, als Fedor sie zu sich rief.

Na super.

Zögerlich bahnte sie sich den Weg zwischen den Baumstämmen, bis sie bei ihrem Adjutanten angelangt war. Neben ihm saßen Wunibald, ein alter Wächter mit sonnigem Charakter und langen Haaren, und Silvius, der beste Jäger des Volkes. Marija stellte sich aufrecht und mit möglichst neutraler Miene vor die Holzbalken-Bank. Doch ihre scheinbare Ausdruckslosigkeit zerfiel, als Fedor ihren Unterarm nahe am Ellebogen packte und ihn betrachtete. „Du hast da Schrammen.“

„Ja, vom Training.“ Etwas verwirrt lies Marija sich auf weiter Schrammen und Kratzer untersuchen. Als Fedor fertig war, sah er sie mit ernster Miene an. „Du solltest mal zu Goldmohn gehen. Lass dich untersuchen.“

Marija runzelte die Stirn. „Wieso? Es sind nur ein paar Schrammen, Fedor, nichts weiter!“ Manchmal ging ihr die Fürsorglichkeit ihres Adjutanten wirklich auf die Nerven. Schließlich wollte sie beweisen, dass sie gut auf sich selbst aufpassen konnte!

Der Wächter lies sich nicht beirren. „Marija, wenn ich sage, lass dich untersuchen, dann…“

„Ist ja gut, Fedor!“, wurde er von Wunibald unterbrochen, welcher ihm beruhigend eine Hand auf die Schulter legte. „Ich bringe Marija zu Goldmohn, wenn es dir nichts ausmacht. Komm, mein Mädchen.“

Marija seufzte innerlich auf. Wunibald war ein sehr netter, wenn auch manchmal etwas neugieriger Wächter, und sie war froh, von ihm statt von Fedor zu der Heilerin Goldmohn gebracht zu werden.

 

Tja, bis hierhin bin ich gekommen. Danach habe ich gemerkt, dass „Keepers“ ein Projekt ist, das ich ausführen sollte, wenn ich etwas mehr Erfahrung habe. Ich hoffe, es gefällt euch trotzdem!

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