Prolog (Inside, Anlauf 1)

Hier ist der Prolog zu meinem (noch namenlosen) Fantasy-Buch. Inzwischen habe ich diesen Prolog verworfen und die Geschichte etwas umgeformt:

Kalt.

Es war kalt.

Sie konnte fühlen. Fühlen, wie kleine Wassertröpfchen langsam ihre Hand hinunterflossen. Sie wusste, dass es Wasser war, auch wenn sie die Augen geschlossen hatte. Sonst hätte es nur Blut sein können, – und Blut war wärmer.

Sie wäre gern aufgestanden und hätte sich umgesehen. Doch sie hatte keinen Mut dazu. Sie wollte gar nicht wissen, wo man sie nun schon wieder hingebrachte hatte. Die Erinnerungen an die Demütigung und den Schmerz machten sie taub und eine Träne floss ihr über die Wange. Als der nächste, kalte Luftzug sie streifte und ein Lied für sie sang, merkte sie, dass sie sogar zu schwach zum Zittern war. Wehmütig gab sie dem Wind die Sehnsucht nach den Menschen, die sie liebte, mit.

Alle existierenden Welten waren in irgendeiner Weise schlecht, dass wusste sie. Aber diese hier hatte ihre schlechteste Seite bereits zum Vorschein gebracht. Jedenfalls für sie. Mit all diesen verlorenen Seelen, die hier hausten, war diese Welt der allerschlimmste Teil dieses Universums. Dessen war sie sich nun sicher. Das beruhigende Säuseln des Windes war eine Illusion, die kleinen Tropfen, die vom Himmel herabfielen, zeigten nur an, dass das Schicksal eine weitere Seele viel zu früh dem Tod überlassen hatte. So hatte es ihre Mutter jedenfalls immer erzählt. Allerdings hatte sie noch hinzugefügt, dass nur so neues Leben entstehen kann.

Sie schaffte es, die Augen zu öffnen. Durch einen tränenverschwommenen Schleier sah sie als erstes ihren Arm voller roter, nicht ganz verheilter Narben, wie er schlaff auf dem kalten Boden lag. Dann nahm sie das Gras wahr, welches langsam im Wind hin und her schwankte. Sie war nicht mehr eingeschlossen in den zugigen Kerkerwänden des Schlosses. Sie war draußen, irgendwo in der Natur, wo sie sich wieder frei bewegen konnte, ohne dass jemand ihr sagte, was sie zu tun und zu lassen habe. Ihr Körper fing an, Glückshormone auszuschütten, doch einen Gedanken später realisierte sie, dass das kaum nötig war. Niemals hätte man sie ohne Rückversicherung einfach so hier liegen gelassen. Niemals hätte er gewollt, dass man sie jemals wieder fand. Die Sache hatte einen Haken. Aber welcher…?

Schwäche, flüsterte ihr eine Stimme in ihrem Kopf zu. Du bist zu schwach, um zu überleben.

Ihre Augen füllten sich wieder mit Tränen. Sie hatte immer gewusst, dass es so weit kommen wird, aber trotzdem traf sie die Erkenntnis wie ein Schlag. Sie war so gut wie verloren. Niemand würde sie je lebend hier finden. Und wenn sie starb, würde das ganze Land in Chaos versinken.

Wenn sie es nicht wieder in Ordnung bringen…

Weit, weit in der Ferne konnte sie eine Bergkette ausmachen ausmachen. Riesige Felsen, die sich schützend vor der Graswüste aufbauten, einer Landschaft mit weiten, menschenleeren Grasflächen, die das Land spaltete. Und somit unser Schicksal, dachte sie stumm. Sie war nicht mehr willig, sich dem beißenden Wind, der nassen Erde und dem feuchtwarmen Regen entgegenzusetzen. Erschöpft schloss sie die Augen.

Zu spät bemerkte sie, warum man sie ausgerechnet hier und ausgerechnet so sterben ließ. Hier war sie mit dem vereint, was sie ausmachte. Hier würde sie von dem vernichtet werden, was sie am meisten liebte. Sie hatte wieder alles verloren.

Und ich werde wieder gewinnen, durchdrang sie eine fremde Vision, welche sie schließlich zurück in den Abgrund stieß. Seufzend ließ sie sich mitreißen.

Vincent. Eoban. Kay…

 

Das Buch, aus dem der Prolog stammt, ist zurzeit eines meiner etwas größeren Projekte. Ich werde noch einige Textstellen davon veröffentlichen, wenn auch nur kleine.

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