„Risse“

Original „First phrase“: 

Write a Szene that starts with the line, „I have nothing to apologize for.“ (Write your heart out, www.sarahselecky.com)

Gefunden auf Pinterest 🙂

„Ich habe nichts, wofür ich mich entschuldigen müsste.“

Sein Blick war hart, doch er verriet, was er dachte. Ihre Gefühle schienen an ihm abzuprallen und hinterließen nicht mal einen Kratzer. Er gefangen in einer Hülle aus Glas. Umgeben von Hass, Verzweiflung und Ohnmacht hatte er seine Seele verkauft. Und mit ihr seine Liebe zu dem Mädchen, für die er einst sein Leben gegeben hätte.

Sie hatte die ganze Zeit gedacht, sie wäre taub geworden. Es war kein bedrückendes Gefühl gewesen, eher ein Gefühl der Leere, aber diese Leere fühlte sich nicht gut an. Sie wusste nicht, mit was sie weitermachen sollte. Sollte sie versuchen, ihn zur Vernunft zu bringen? Wie oft hatte sie das schon versucht? Sie würde scheitern, wie die vielen anderen Male davor auch.

Es hatte keinen Sinn, keinen Zweck. Alles, was sie nun noch besaß, war die Asche seiner leidenschaftlichen Gefühle, welche ihr immer prickelnde Gänsehaut bereitet hatte. Seine Worte waren für sie die letzten Wochen und Monate Luft gewesen, sie hatte sie eingeatmet, davon gelebt, sie letztendlich aber doch wieder aus ihrem Kopf verbannt. Doch jetzt, wo es eigentlich so wichtig gewesen wäre, dass sie weiter taub geblieben wäre, drangen seine Worte in ihr inneres und zerfetzten ihr Herz. Ein Kloß bildete sich in ihrem Hals und sie wusste, das jedes weiteres Wort wie der Tropfen sein würde, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Sie sah ihm in die Augen. Er wich ihrem Blick aus.

Feigling!, dachte sie, Elendiger Feigling!

„Warum denkst du das?“, brachte sie hervor. Sie konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten. „Denkst du wirklich, du hast nichts getan?“

„Karma“, meinte er. „Wenn ich etwas falsch gemacht hätte, wäre das ja wohl auf mich zurückgekommen, oder?“

„Du bist ein Arsch.“

Einen kurzen Moment später hatte ihre Hand einen roten Abdruck auf seiner Wange hinterlassen, und seine Hülle zerschmettert, sowie all ihre Gefühle an ihn weitergegeben. Er sah sie verdattert an.

„Scheiße, was sollte das denn?!“

„Du bist ein Arsch!“, brüllte sie erneut. Wie gern hätte sie etwas nach ihn geworfen, aber auf die Schnelle fand sich nichts, was zum Werfen geeignet wäre. „Du bist eine egoistische, falsche, miese Schlange!“

„Halt jetzt den Mund!“, fuhr er sie nun an. „Du… du bist nicht besser, wenn du… so mit mir redest!“

Ihr Herz fand keine Worte mehr. Doch ihr Verstand schien noch zu einer Konter fähig zu sein.

„Wie du nach Worten gräbst.“, meinte ihr Kopf.

Ich liebe dich, dachte ihr Herz.

Sie drehte sich um und lief hinein in die Dunkelheit, mit der Hoffnung, diese würde sie verschlucken, ertränken, ersticken.

Und ab jetzt wusste er; irgendwas war schiefgelaufen.

Er wusste, er würde sie nie wieder sehen.

„Deine Liebe ist zerbrochen“, flüsterte er in die Nacht.

Unsere Liebe ist zerbrochen, dachte sein Kopf.

Ich liebe dich auch, meinte sein Herz.

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